I. Worum geht es?

Meinungsfreiheit und die Möglichkeit zur Bildung einer eigenen Meinung durch ungehinderten Zugang zu Informationen sind hohe Güter in westlich geprägten Demokratien; in vielen Ländern werden diese Rechte durch die jeweilige Verfassung explizit und prominent geschützt – so bspw. in der europäischen Menschenrechtskonvention in Art. 10. Doch selbst in rechtstaatlich organisierten Demokratien stehen freie Meinungsbildung und ‑äußerung immer wieder zur Debatte. Beispiele unter vielen sind hierfür Bundeskanzler Adenauers Versuch der Gründung eines staatsnahen Rundfunks in den 1950er Jahren, in den 1960ern die Spiegelaffäre sowie die Kritik an der Medienkonzentration insbesondere bzgl. des Axel-Springer-Verlags oder in den 1980er Jahren die Öffnung des Markts für private Rundfunkanbieter. In diesen und vielen anderen Fällen wurde die Befürchtung geäußert, dass kommerziell betriebene Massenmedien und selbst der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine demokratisch nicht legitimierte Gatekeeperfunktion einnähmen und dadurch freie Meinungsbildung und ‑äußerung gefährdet seien.

Daher kann es nicht verwundern, dass das Internet und später die darauf basierenden sozialen Medien weitreichende Hoffnungen weckten: Versprachen sie doch einen wahrhaft demokratischen Mediengebrauch, da nun jede Person ohne Filter und Gatekeeper ihre Meinung äußern und ebenso frei und ungehindert auf Informationen zugreifen könnte. John Perry Barlow verkündete sogar die Unabhängigkeit des Internets vom Rest der Welt, insbesondere von Staaten und Regierungen. Doch diese Aufbruchsstimmung ist heute verflogen, denn das Internet und die darauf basierenden sozialen Medien unterliegen einer massiven Marktkonzentration hin zu Oligopolen oder gar Monopolen. Etwas überspitzt formuliert: Demokratisch nicht legitimierte Unternehmen bestimmen die Regeln der öffentlichen Kommunikation mithilfe ihrer IT-Systeme und entscheiden weltweit, wer welche Meinung äußern kann und wer welche Informationen zur Meinungsbildung im Zugriff hat. Schließlich hat sich spätestens im Zuge der Wahl des US-amerikanischen Präsidenten im Jahr 2016 gezeigt, dass Angriffe auf unabhängige Medien politisch wieder akzeptabel sind; zudem wurde deutlich, dass gerade internetbasierte soziale Medien geeignet sind Gerüchte, Falschmeldungen und Unwahrheiten, Verschwörungstheorien und Hass zu verbreiten und somit eine höchst wirksame Waffe in der politischen Auseinandersetzung darstellen.

Meinungsfreiheit und die Möglichkeit zur Bildung einer eigenen Meinung durch ungehinderten Zugang zu Informationen mögen nach wie vor hohe Rechtsgüter sein, doch sie wahrzunehmen wird immer schwieriger, weil leistungsfähige IT-Systeme oftmals gerade nicht zum Wohle und Nutzen der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt werden. Will man freie Meinungsbildung und ‑äußerung schützen, so sind Gegenbewegungen der Politik, aber insbesondere der Gesellschaft selbst notwendig. Die Integrata-Stiftung hat sich vor beinahe 20 Jahren zur Aufgabe gesetzt, die humane Nutzung der IT durch die Vergabe des Wolfgang-Heilmann-Preises zu fördern. Angesichts der gerade beschriebenen Entwicklungen wird dieser Preis dieses Jahr vergeben für die

„Humane Nutzung der IT zur Förderung von Meinungsfreiheit und Meinungsbildung“

Mit dem Preis sollen Personen oder Projekte ausgezeichnet werden, die Antworten geben und Lösungen anbieten für die Herausforderung, wie IT so eingesetzt werden kann, dass Meinungsfreiheit und die Möglichkeit zur Bildung einer eigenen Meinung durch ungehinderten Zugang zu Informationen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern gelebte Wirklichkeit bleiben. Die Ausschreibung ist bewusst offengehalten: Es können bspw. Projekte eingereicht werden, die unter Anwendung von IT helfen Fake-News zu erkennen oder offene und doch respektvolle Meinungsäußerungs- und ‑bildungsprozesse unterstützen; es können aber auch Personen, Gruppierungen und Institutionen benannt werden, die sich mithilfe von IT um Meinungsfreiheit und die Möglichkeit zur Bildung einer eigenen Meinung durch ungehinderten Zugang zu Informationen verdient gemacht haben.

II. Wie kann ich mich bewerben?

Im ersten Schritt kann jede und jeder auf der Online-Plattform www.wolfgang-heilmann-preis.de einen geeigneten Akteur, ein Projekt oder auch eine Initiative vorschlagen. Ein entsprechendes Formular steht zum Ausfüllen bereit. Es ist natürlich möglich, sich selbst bzw. ein eigenes Projekt zu nominieren. Da der Wolfgang-Heilmann-Preis die humane Nutzung der IT in das Zentrum stellt, sind Vorschläge oder Einreichungen auch zu anderen Themen möglich, solange dabei der Einsatz von IT zum Nutzen der Menschen im Vordergrund steht; wichtig ist stets die Steigerung der Lebensqualität durch IT. Einsendeschluss ist der 31. März 2019.

Jeder Vorschlag nimmt an einer Verlosung teil und kann eine Eintrittskarte zu einem Kongress der Integrata-Stiftung gewinnen. Die Verlosung erfolgt nach Ablauf der Einreichungsfrist.

Aus der Menge aller Einsendungen wählt die Preisjury bis Anfang Mai 2019 fünf Kandidaten aus („Shortlist“) die sich und ihr Projekt im Rahmen eines Pitches in Tübingen am Samstag, den 1. Juni 2019, persönlich vorstellen. Die Preisverleihung erfolgt dann im Anschluss daran noch am gleichen Tag.

Die Preisjury besteht aus Mitgliedern des Stiftungskuratoriums und -vorstands, des Fachbeirats, externen Experten sowie der Schirmherrin des Wolfgang-Heilmann-Preises 2019, Frau Herta Däubler-Gmelin.

III. Was kann ich gewinnen?

Der Wolfgang-Heilmann-Preis 2019 ist mit einem Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro dotiert. Er kann auf bis zu drei Preisträger verteilt werden.

Alle für den Pitch ausgewählten Kandidaten erhalten einen Anerkennungspreis in Höhe von 500 Euro.

IV. Wer hat den Preis gestiftet?

Stifter und Namensgeber des Preises: Dr. Wolfgang Heilmann

Namensgeber des Preises ist der Unternehmer Dr. Wolfgang Heilmann, Stifter der Integrata-Stiftung und Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Die Stiftung wirbt seit dem Jahr 2000 dafür, den Mensch in den Mittelpunkt technologischen Fortschritts zu stellen und folglich Informationstechnologien zur Verbesserung der Lebensqualität möglichst vieler Menschen einzusetzen. Mit der Beteiligungsplattform Polit@ktiv fördert sie kommunale Bürgerbeteiligungsprozesse und sucht mit dem Projekt HumanIThesia nach ethischen Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Im Rahmen jährlicher Kongresse und verschiedener Veranstaltungen diskutiert sie mit Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft Kernfragen technologischen Fortschritts und ethischer Herausforderungen.

Sie haben Fragen? Treten Sie gern mit uns in Kontakt, am besten per Mail unter preis@integrata-stiftung.de (Ansprechpartner: Michael Mörike).

Wir freuen uns, Frau Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin als Schirmherrin für den diesjährigen Wolfgang-Heilmann-Preis gewonnen zu haben. Lesen Sie hier ihr Grußwort.